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Grundlagen LLM · Updated 1. Juli 2026

Context Engineering

Definition

Die Kunst, den richtigen Kontext für LLM-Anfragen zusammenzustellen – welche Informationen, in welcher Reihenfolge, in welchem Format.

Experte 3 Min. Lesezeit EN: Context Engineering

Einfach erklärt

Context Engineering ist die Kunst, dem LLM genau die richtigen Informationen zu geben – nicht zu wenig, nicht zu viel, in der richtigen Reihenfolge und im richtigen Format.

Das Problem:

Zu wenig Kontext:
"Schreib eine E-Mail an den Kunden."
→ LLM weiß nicht: Welcher Kunde? Welches Thema? Welcher Ton?

Zu viel Kontext:
[Sehr viel Dokumentation]
"Beantworte die Frage."
→ Modell kann relevante Teile schlechter finden oder falsch gewichten

Optimaler Kontext:
[Relevante Auszüge] + [Kundenhistorie] + [Tonalitäts-Guidelines]
"Schreib eine E-Mail zur Reklamation."
→ Modell hat die wichtigsten Informationen kompakt verfügbar

Die drei Dimensionen:

DimensionFrageOptimierung
RelevanzWas gehört rein?Retrieval, Filterung
AnordnungIn welcher Reihenfolge?Wichtiges an Anfang/Ende
FormatWie strukturiert?XML, Markdown, Sections

Technischer Deep Dive

Lost in the Middle

LLMs können Informationen aus der Mitte langer Kontexte je nach Modell und Aufgabe schlechter nutzen:

Kontext-Position:  [Anfang] ... [Mitte] ... [Ende]
Aufmerksamkeit:    ████████░░░░░░░░░░░░████████
                   Hoch     Niedrig      Hoch

Implikation:

  • Wichtigste Infos gut sichtbar platzieren
  • Instruktionen nahe an der Aufgabe halten
  • weniger kritische Infos klar strukturieren oder komprimieren

Kontext-Struktur

Unstrukturiert (schlecht):

Hier sind einige Informationen: Der Kunde hat kürzlich bestellt. 
Er ist Bestandskunde. Seine letzte Beschwerde betraf eine 
Lieferverzögerung. Es gibt eine Rückgaberichtlinie...

Strukturiert (besser):

<customer>
  <name>Kunde</name>
  <since>Bestandskunde</since>
  <last_order>letzte Bestellung</last_order>
</customer>

<complaint>
  <type>Lieferverzögerung</type>
  <date>aktuelles Ticket</date>
</complaint>

<policy>
  <returns>geltende Rückgaberichtlinie</returns>
</policy>

<task>
Schreibe eine Entschuldigungs-E-Mail an den Kunden.
</task>

Retrieval-Strategien

1. Semantic Search (Basis):

relevant_chunks = vector_db.search(query, top_k=retrieval_limit)
context = "\n".join(relevant_chunks)

2. Reranking (besser):

candidates = vector_db.search(query, top_k=candidate_limit)
reranked = reranker.rerank(query, candidates, top_k=final_context_limit)
context = "\n".join(reranked)

3. Contextual Retrieval:

# Chunks mit Kontext anreichern vor dem Embedding
for chunk in chunks:
    chunk.context = llm.generate(
        f"Beschreibe kurz, worum es in diesem Abschnitt geht "
        f"im Kontext des Gesamtdokuments: {chunk.text}"
    )
    chunk.embedding = embed(chunk.context + chunk.text)

Kontext-Kompression

Wenn Kontext zu lang:

def compress_context(documents, max_tokens):
    if count_tokens(documents) <= max_tokens:
        return documents
    
    # Option 1: Zusammenfassen
    summary = llm.summarize(documents)
    
    # Option 2: Extraktiv kürzen
    key_sentences = extract_key_sentences(documents)
    
    # Option 3: Unwichtiges entfernen
    filtered = filter_by_relevance(documents, query)
    
    return filtered

Kontext für verschiedene Use Cases

RAG:

[System Prompt]
[Retrieved Documents - nach Relevanz sortiert]
[User Query]

Coding Assistant:

[System Prompt mit Coding-Guidelines]
[Aktuelle Datei]
[Relevante importierte Dateien]
[Error Message / Task]

Chatbot:

[System Prompt]
[Zusammenfassung älterer Konversation]
[Letzte N Nachrichten]
[Aktuelle Nachricht]

Agent:

[System Prompt mit Tools]
[Aufgabenbeschreibung]
[Bisherige Schritte und Ergebnisse]
[Aktuelle Beobachtung]
[Nächste Aktion?]

Best Practices

PrinzipBeschreibung
Relevanz vor VollständigkeitLieber weniger, aber relevanter
Struktur hilftXML, Markdown, klare Sections
Instruktionen nahe an der AufgabeGut sichtbar vor oder bei der eigentlichen Anfrage
Wichtiges hervorhebenKritische Informationen klar markieren oder wiederholen
Testen und MessenA/B-Tests für Kontext-Varianten

Context Engineering ist wie das Briefing für einen Berater: Je besser du ihm erklärst, wer du bist, was du brauchst und welche Infos relevant sind, desto besser wird sein Rat – aber zu viel Info überflutet ihn.

Welche Informationen gehören in den Kontext? (Relevanz)

In welcher Reihenfolge? (Primacy/Recency-Effekte)

In welchem Format? (Struktur, Kompression)

RAG-Systeme

Relevante Dokumente auswählen und optimal anordnen

Coding-Assistenten

Welche Dateien, Funktionen und Dokumentation gehören in den Kontext?

Chatbots

Konversationshistorie managen ohne Kontextfenster zu sprengen

LLM

Aufgabenkontext, Tools, Zwischenergebnisse strukturieren

Was ist der Unterschied zu Prompt Engineering?

Prompt Engineering fokussiert auf die Instruktion (was soll das Modell tun). Context Engineering fokussiert auf die Informationen (womit soll es arbeiten). Beides zusammen ergibt den vollen Input.

Wie viel Kontext ist zu viel?

Mehr ist nicht immer besser. Bei langen Kontexten können Modelle Informationen in ungünstigen Positionen schlechter nutzen. Relevanz, Struktur und Priorisierung sind wichtiger als reine Menge.

Wie ordne ich Kontext optimal an?

Wichtige Informationen sollten klar priorisiert und gut auffindbar sein. Anfang und Ende sind oft besonders wirksam, aber die optimale Anordnung hängt von Modell, Aufgabe und Kontextstruktur ab.

Brauche ich Context Engineering bei großen Kontextfenstern?

Ja. Große Kontextfenster bedeuten nicht, dass alles hineingehört. Kosten, Latenz, Relevanz und Auffindbarkeit bleiben zentrale Themen.

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