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Grundlagen · Updated 17. Februar 2026

Neuronales Netz

Definition

Ein von biologischen Gehirnen inspiriertes Rechenmodell, das aus vernetzten künstlichen Neuronen besteht und Muster in Daten erkennen kann.

Fortgeschritten 3 Min. Lesezeit EN: Neural Network

Einfach erklärt

Ein neuronales Netz ist ein Computermodell, das lose vom menschlichen Gehirn inspiriert ist. Es besteht aus vielen kleinen Recheneinheiten – den künstlichen Neuronen – die in Schichten angeordnet und miteinander verbunden sind.

Aufbau eines neuronalen Netzes:

  1. Eingabeschicht (Input Layer): Nimmt die Rohdaten entgegen (z.B. Pixel eines Bildes)
  2. Versteckte Schichten (Hidden Layers): Verarbeiten die Daten und erkennen Muster
  3. Ausgabeschicht (Output Layer): Liefert das Ergebnis (z.B. “Katze” oder “Hund”)

Wie lernt ein neuronales Netz?

  1. Daten werden durch das Netz geschickt (Forward Pass)
  2. Das Ergebnis wird mit der richtigen Antwort verglichen
  3. Der Fehler wird berechnet und rückwärts durch das Netz geschickt (Backpropagation)
  4. Die Verbindungsgewichte werden angepasst, um den Fehler zu reduzieren
  5. Dieser Prozess wird tausende Male wiederholt, bis das Netz gute Ergebnisse liefert

Das ist wie Lernen durch Übung: Mit jedem Durchgang wird das Netz ein kleines bisschen besser.

Technischer Deep Dive

Das künstliche Neuron

Ein einzelnes Neuron berechnet:

output = activation(Σ(wi * xi) + bias)
  • xi: Eingabewerte
  • wi: Gewichte (werden beim Training gelernt)
  • bias: Verschiebung (Schwellenwert)
  • activation: Nichtlineare Funktion (ReLU, Sigmoid, Tanh)

Die Nichtlinearität ist entscheidend – ohne sie könnte das Netz nur lineare Zusammenhänge lernen, egal wie viele Schichten es hat.

Schichtentypen

Dense / Fully Connected:

  • Jedes Neuron ist mit allen Neuronen der vorherigen Schicht verbunden
  • Vielseitig einsetzbar, aber parameterintensiv

Convolutional:

  • Lokale Verbindungen mit geteilten Gewichten (Filter)
  • Ideal für räumliche Daten (Bilder)

Recurrent:

  • Verbindungen, die zeitlich zurückführen (Gedächtnis)
  • Für sequenzielle Daten (Text, Zeitreihen) – weitgehend durch Transformer ersetzt

Attention:

  • Dynamische Gewichtung der Eingaben basierend auf Relevanz
  • Grundlage der Transformer-Architektur

Backpropagation und Gradient Descent

Backpropagation berechnet, wie stark jedes Gewicht zum Gesamtfehler beiträgt:

  1. Loss-Funktion misst den Fehler (z.B. Cross-Entropy, MSE)
  2. Kettenregel propagiert Gradienten rückwärts durch alle Schichten
  3. Gradient Descent aktualisiert Gewichte: w_new = w_old - learning_rate * gradient

Optimierungsalgorithmen:

  • SGD (Stochastic Gradient Descent): Einfach, aber langsam
  • Adam: Adaptiver Optimizer, Standard in der Praxis
  • AdamW: Adam mit verbessertem Weight Decay
  • LAMB/LARS: Für sehr große Batch Sizes

Herausforderungen

Vanishing Gradient:

  • Gradienten werden in tiefen Netzen exponentiell kleiner
  • Lösung: ReLU-Aktivierung, Residual Connections (Skip Connections), Batch Normalization

Exploding Gradient:

  • Gradienten werden exponentiell größer
  • Lösung: Gradient Clipping, sorgfältige Initialisierung

Overfitting:

Moderne Architekturen

  • ResNet: Residual Connections ermöglichen sehr tiefe Netze (100+ Schichten)
  • Transformer: Self-Attention statt Recurrence, dominiert NLP und zunehmend Vision
  • U-Net: Encoder-Decoder-Architektur für Bildsegmentierung
  • Diffusion Models: Generative Modelle für Bildgenerierung (Stable Diffusion, DALL-E)

Ein neuronales Netz funktioniert wie eine Firma mit vielen Abteilungen: Die Eingangsdaten kommen in der Poststelle an, werden von Abteilung zu Abteilung weitergereicht und verarbeitet, bis am Ende eine Entscheidung herauskommt – jede Abteilung ist auf einen bestimmten Aspekt spezialisiert.

Besteht aus Schichten von künstlichen Neuronen, die Eingaben verarbeiten und weiterleiten

Lernt durch Anpassung der Verbindungsgewichte zwischen Neuronen (Backpropagation)

Grundbaustein für Deep Learning und moderne KI-Systeme

Mustererkennung

Erkennung von Handschrift, Gesichtern und Objekten in Bildern

Zeitreihenprognose

Vorhersage von Aktienkursen, Wetter oder Energieverbrauch

Sprachsynthese

Text-to-Speech-Systeme, die natürlich klingende Sprache erzeugen

Spielstrategien

KI-Systeme, die Schach, Go oder Videospiele auf übermenschlichem Niveau spielen

Wie funktioniert ein künstliches Neuron?

Ein künstliches Neuron empfängt mehrere Eingaben, multipliziert jede mit einem Gewicht, summiert alles auf und wendet eine Aktivierungsfunktion an. Ist das Ergebnis über einem Schwellenwert, 'feuert' das Neuron und gibt den Wert an die nächste Schicht weiter.

Wie viele Schichten braucht ein neuronales Netz?

Das hängt von der Aufgabe ab. Einfache Probleme lassen sich mit 2-3 Schichten lösen. Komplexe Aufgaben wie Bilderkennung oder Sprachverarbeitung brauchen dutzende bis hunderte Schichten (Deep Learning).

Sind neuronale Netze dem menschlichen Gehirn nachempfunden?

Nur grob inspiriert. Biologische Neuronen sind wesentlich komplexer als künstliche. Moderne neuronale Netze funktionieren fundamental anders als das Gehirn – sie nutzen Backpropagation und Gradient Descent, Mechanismen, die es im Gehirn so nicht gibt.

Was ist der Unterschied zwischen einem neuronalen Netz und Deep Learning?

Ein neuronales Netz ist die Grundarchitektur. Deep Learning bezeichnet den Einsatz von neuronalen Netzen mit vielen Schichten (typisch >3). Jedes Deep-Learning-Modell ist ein neuronales Netz, aber nicht jedes neuronale Netz ist 'deep'.

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