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LLM Architektur · Updated 19. Februar 2026

Reasoning-Modelle

Definition

Eine neue Klasse von KI-Modellen, die komplexe Probleme durch explizites mehrstufiges Denken lösen – GPT-5 Thinking, Claude Opus 4.6 und DeepSeek R1 sind prominente Beispiele.

Fortgeschritten 2 Min. Lesezeit EN: Reasoning Models

Einfach erklärt

Reasoning-Modelle sind die wichtigste KI-Innovation seit dem GPT-Moment. Während klassische LLMs sofort antworten, nehmen sich Reasoning-Modelle Zeit zum Denken – sie generieren einen internen Denkprozess, bevor sie die finale Antwort ausgeben.

Das Ergebnis ist dramatisch: OpenAI o1 löste 83% der Aufgaben der American Invitational Mathematics Examination (AIME) – GPT-4o schaffte nur 13%. Nicht durch ein größeres Modell, sondern durch längeres Nachdenken. DeepSeek R1 zeigte 2025, dass dieses Prinzip auch Open-Source funktioniert. Inzwischen ist Reasoning in die Hauptmodelle integriert: GPT-5 hat Thinking eingebaut, Claude 4.6 nutzt Adaptive Thinking, Gemini 3 bietet Deep Think.

Was Reasoning-Modelle anders machen:

  • Standard-LLM: Prompt → sofortige Antwort (ein Vorwärtsdurchlauf)
  • Reasoning-Modell: Prompt → Denkprozess (viele Tokens) → Antwort
  • Der Denkprozess ist oft länger als die eigentliche Antwort
  • Modelle können Fehler im Denkprozess erkennen und korrigieren

Technischer Deep Dive

Training mit Reinforcement Learning

Reasoning-Modelle werden typischerweise mit RL auf verifizierbaren Aufgaben trainiert:

1. Modell generiert Denkprozess + Antwort
2. Antwort wird automatisch geprüft (Mathe: ist das Ergebnis korrekt?)
3. Korrekte Antworten → positive Belohnung
4. Falsche Antworten → negative Belohnung
5. Modell lernt, welche Denkstrategien zu richtigen Antworten führen

Das Modell entdeckt dabei selbstständig Strategien wie: Probleme in Teilprobleme zerlegen, Annahmen überprüfen, alternative Lösungswege ausprobieren.

Bekannte Reasoning-Modelle (2026)

ModellAnbieterOpen-SourceStärken
GPT-5 ThinkingOpenAINeinIntegriertes Reasoning, alle Domänen
Claude Opus 4.6AnthropicNeinAdaptive Thinking, 68,8% ARC-AGI-2
Claude Sonnet 4.6AnthropicNeinReasoning zu Sonnet-Preis
Gemini 3 Deep ThinkGoogleNeinStärkstes Mathe-Reasoning (91,9% GPQA)
DeepSeek R1DeepSeekJaOpen-Source, starkes Reasoning

Wann Reasoning-Modell, wann Standard-LLM?

Aufgabe erfordert mehrstufiges Denken?
    Ja → Reasoning aktivieren (GPT-5 Thinking, Claude Extended Thinking)
    Nein → Standard-Modus (GPT-5, Claude Sonnet 4.6)

Geschwindigkeit kritisch?
    Ja → Standard-Modus oder GPT-5 mini
    Nein → Volles Reasoning (Opus 4.6, GPT-5.2 Thinking)

Budget begrenzt?
    Ja → DeepSeek R1 (Open-Source, günstig)
    Nein → Claude Opus 4.6 oder GPT-5.2 Thinking

Ein Reasoning-Modell ist wie ein Mathematiker, der nicht sofort die Antwort hinschreibt, sondern erst den Lösungsweg auf dem Schmierzettel durcharbeitet – und erst dann das Ergebnis präsentiert.

Generieren einen internen 'Denkprozess' (Chain-of-Thought) vor der Antwort

Deutlich besser bei Mathematik, Logik, Code und wissenschaftlichen Aufgaben

Nutzen Test-Time Compute: mehr Denkzeit = bessere Ergebnisse

Mathematik & Wissenschaft

Olympiade-Aufgaben, Beweise und wissenschaftliche Analysen

Software-Engineering

Komplexe Algorithmen entwerfen und debuggen

Strategische Planung

Mehrstufige Entscheidungen mit vielen Abhängigkeiten

Rechtliche Analyse

Komplexe Vertragsanalysen und juristische Schlussfolgerungen

Wann sollte ich ein Reasoning-Modell statt eines Standard-LLMs verwenden?

Für komplexe Aufgaben, die mehrstufiges Denken erfordern: Mathematik, Logik, Code-Architektur, wissenschaftliche Analyse. Für einfache Aufgaben wie Textzusammenfassung oder Übersetzung sind Standard-LLMs schneller und günstiger.

Wie funktioniert das Training von Reasoning-Modellen?

Meist durch Reinforcement Learning mit Verifiable Rewards: Das Modell bekommt Belohnungen für korrekte Antworten bei Aufgaben mit objektiv prüfbaren Lösungen (Mathe, Code). Es lernt dadurch, Denkstrategien zu entwickeln, die zu richtigen Antworten führen.

Sind Reasoning-Modelle immer besser?

Nein. Bei einfachen Aufgaben sind sie langsamer und teurer ohne Mehrwert. Sie können auch 'overthinking' zeigen – bei simplen Fragen unnötig komplizierte Denkprozesse starten. Der Einsatz sollte aufgabenabhängig sein.

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