User Journey
Die vollständige Abfolge von Schritten, die ein Nutzer durchläuft, um ein Ziel zu erreichen – von der ersten Berührung mit einem Produkt bis zur langfristigen Bindung.
Eine iterative Innovationsmethode, die Empathie für Nutzer, kreative Ideenfindung und schnelles Prototyping kombiniert – um Probleme zu lösen, die noch nicht klar definiert sind.
Die meisten Innovationsprojekte scheitern nicht an der Technologie – sie scheitern daran, dass sie das falsche Problem lösen. Design Thinking ist eine Methode, die sicherstellt, dass du das richtige Problem löst, bevor du anfängst zu bauen.
Der Kern: Starte mit dem Menschen, nicht mit der Lösung. Verstehe zuerst tief, was Nutzer wirklich brauchen (oft anders als was sie sagen), dann definiere das Problem präzise, dann generiere viele Ideen, dann teste schnell und billig.
1. EMPATHIZE – Nutzer verstehen
Methoden: Interviews, Beobachtung, Shadowing, Empathy Maps
Ziel: Echte Bedürfnisse, Frustrationen und Motivationen verstehen
Fehler: Annahmen statt Forschung
2. DEFINE – Problem schärfen
Methoden: How Might We, Point of View Statement, Affinity Mapping
Ziel: Das richtige Problem präzise formulieren
Fehler: Zu breites oder zu enges Problem
3. IDEATE – Ideen generieren
Methoden: Brainstorming, Crazy 8s, SCAMPER, Worst Possible Idea
Ziel: Viele Ideen ohne Bewertung – Quantität vor Qualität
Fehler: Zu früh bewerten und aussortieren
4. PROTOTYPE – Schnell testen
Methoden: Paper Prototyping, Wireframes, Clickdummies, Rollenspiele
Ziel: Billigste Version, die eine Kernhypothese testet
Fehler: Zu viel Zeit in Prototypen investieren
5. TEST – Lernen und iterieren
Methoden: Usability Tests, A/B Tests, Guerilla Testing
Ziel: Hypothesen validieren oder widerlegen
Fehler: Bestätigung suchen statt Widerlegung
Das PoV-Statement ist das Herzstück der Define-Phase – es formuliert das Problem nutzerzentriert:
Template:
[Nutzer] braucht [Bedürfnis], weil [Insight].
Schlecht:
"Wir brauchen eine bessere Suchfunktion."
Gut:
"Anna (Marketing-Managerin) braucht eine Möglichkeit,
schnell relevante Inhalte zu finden, weil sie täglich
30 Minuten mit Suchen verschwendet und dabei frustriert
wird, dass sie Dinge findet, die sie schon kennt."
Noch besser (mit Insight):
"Anna braucht nicht mehr Suchergebnisse, sondern
bessere Kontextinformationen zu jedem Ergebnis,
weil sie nicht Zeit hat, jeden Link zu öffnen."
HMW-Fragen übersetzen Probleme in Designchancen:
Problem: Nutzer brechen den Checkout ab, weil sie
die Versandkosten erst am Ende sehen.
HMW-Fragen:
"Wie könnten wir Versandkosten früher transparent machen?"
"Wie könnten wir Versandkosten überraschend günstig machen?"
"Wie könnten wir Versandkosten irrelevant machen?"
"Wie könnten wir den Moment des Preisschocks positiv umdeuten?"
Jede HMW-Frage öffnet einen anderen Lösungsraum.
Montag: Map – Problem verstehen, Ziel definieren
Dienstag: Sketch – Lösungsideen skizzieren (individuell)
Mittwoch: Decide – Beste Idee auswählen, Storyboard erstellen
Donnerstag: Prototype – Klickbaren Prototyp bauen (1 Tag!)
Freitag: Test – 5 Nutzerinterviews, Entscheidung treffen
┌─────────────────────────────────────┐
│ EMPATHY MAP │
│ [Persona] │
├─────────────┬───────────────────────┤
│ SAYS │ THINKS │
│ (Zitate) │ (Gedanken/Sorgen) │
├─────────────┼───────────────────────┤
│ DOES │ FEELS │
│ (Aktionen) │ (Emotionen) │
├─────────────┴───────────────────────┤
│ PAIN POINTS │ GAINS │
│ (Frustrationen)│ (Wünsche) │
└─────────────────────────────────────┘
KI-Produkte brauchen Design Thinking besonders dringend – die Technologie ist beeindruckend, aber die Nutzererfahrung oft schlecht:
Typischer Fehler ohne Design Thinking:
"Wir haben ein LLM, bauen wir einen Chatbot!"
→ Nutzer wissen nicht was sie fragen sollen
→ Antworten sind gut, aber nicht was gebraucht wird
→ Adoption scheitert
Mit Design Thinking:
Empathize: Was sind die echten täglichen Frustrationen?
Define: "Nutzer verlieren 2h/Tag mit Suche in internen Docs"
Ideate: Chatbot? Smarte Suche? Automatische Zusammenfassung?
Prototype: Einfache Suche mit KI-Zusammenfassung
Test: Nutzer finden es in 10 Min statt 2h → validiert! Design Thinking ist wie ein guter Arzt: Er fragt zuerst ausführlich nach den Symptomen und dem Leben des Patienten (Empathize), bevor er eine Diagnose stellt (Define). Dann überlegt er mehrere Behandlungsoptionen (Ideate), testet die vielversprechendste (Prototype) und schaut wie der Patient reagiert (Test) – statt sofort das erstbeste Medikament zu verschreiben.
5 Phasen: Empathize, Define, Ideate, Prototype, Test – iterativ, nicht linear
Startet mit dem Nutzer, nicht mit der Technologie oder dem Geschäftsmodell
Schnelles Scheitern ist erwünscht: Billige Prototypen früh testen statt teuer entwickeln
Produktentwicklung
Neue Features entwickeln, die Nutzer wirklich wollen – nicht die, die das Team für sinnvoll hält
Prozessoptimierung
Interne Prozesse aus Mitarbeitersicht verbessern – nicht nur effizienter, sondern menschlicher machen
KI-Produktdesign
Wie soll ein KI-Assistent kommunizieren? Welche Probleme löst er wirklich? Design Thinking verhindert Technologie-first-Fallen
Design Thinking wurde in den 1960er-70er Jahren von Herbert Simon und anderen entwickelt, aber popularisiert durch die Designfirma IDEO und die d.school der Stanford University. David Kelley (IDEO-Gründer) und Tim Brown haben die Methode in die Geschäftswelt gebracht.
Nein, aber sie ergänzen sich gut. Design Thinking ist eine Methode zur Problemfindung und Ideenentwicklung – es beantwortet 'Was sollen wir bauen?'. Agile ist eine Methode zur Produktentwicklung – es beantwortet 'Wie bauen wir es effizient?'. Viele Teams nutzen Design Thinking für die Konzeptphase und Agile für die Umsetzung.
Das ist sehr variabel: Ein Design Sprint (Google Ventures) dauert 5 Tage und durchläuft alle Phasen komprimiert. Ein vollständiger Design-Thinking-Prozess für ein komplexes Problem kann Monate dauern. Die Phasen sind iterativ – man kehrt oft zurück, wenn Tests neue Erkenntnisse bringen.
Ja, besonders gut. Viele technische Probleme sind eigentlich menschliche Probleme, die technisch gelöst werden. Design Thinking stellt sicher, dass die technische Lösung das richtige Problem löst. Beispiel: Das Problem ist nicht 'schlechte Datenbankperformance', sondern 'Nutzer warten zu lange und brechen ab'.