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Architektur Praxis · Updated 18. Februar 2026

SOLID-Prinzipien

Definition

Fünf fundamentale Designprinzipien der objektorientierten Programmierung, die zu wartbarem, erweiterbarem und testbarem Code führen.

Fortgeschritten 3 Min. Lesezeit EN: SOLID Principles

Einfach erklärt

Die SOLID-Prinzipien sind fünf grundlegende Designprinzipien für objektorientierte Software, die wartbaren, erweiterbaren und testbaren Code fördern. Sie wurden von Robert C. Martin (Uncle Bob) formuliert und sind heute Standard in professioneller Softwareentwicklung. Für KI-Systeme sind SOLID-Prinzipien besonders relevant: ML-Pipelines, Inferenz-Services und Daten-Prozessoren werden schnell komplex – gute Architektur verhindert, dass sie unwartbar werden.

SOLID ist ein Akronym für fünf Prinzipien, die Robert C. Martin (Uncle Bob) populär gemacht hat. Sie helfen dabei, Software zu bauen, die sich leicht ändern und erweitern lässt.

Warum ist das wichtig?

Ohne gute Struktur wird Code schnell zum “Spaghetti-Code”: Alles hängt mit allem zusammen, eine kleine Änderung bricht zehn andere Stellen. SOLID verhindert das.

Die fünf Prinzipien auf einen Blick:

BuchstabePrinzipBedeutung
SSingle ResponsibilityJede Klasse macht nur eine Sache
OOpen/ClosedErweiterbar ohne bestehenden Code zu ändern
LLiskov SubstitutionUnterklassen müssen wie ihre Oberklasse funktionieren
IInterface SegregationKleine, spezifische Schnittstellen
DDependency InversionAbhängigkeiten über Abstraktionen, nicht konkrete Klassen

Praxis-Beispiel:

Stell dir vor, du baust einen KI-Chatbot. Ohne SOLID hättest du eine riesige Klasse, die API-Calls macht, Datenbank speichert, E-Mails sendet und Logs schreibt. Mit SOLID hast du kleine, austauschbare Bausteine – du kannst den LLM-Provider wechseln, ohne den Rest anzufassen.

Technischer Deep Dive

S – Single Responsibility Principle

Eine Klasse sollte nur einen Grund haben, sich zu ändern.

// ❌ Schlecht: Klasse macht zu viel
class UserService {
  createUser() { ... }
  sendWelcomeEmail() { ... }
  generateReport() { ... }
}

// ✅ Gut: Getrennte Verantwortlichkeiten
class UserService { createUser() { ... } }
class EmailService { sendWelcomeEmail() { ... } }
class ReportService { generateReport() { ... } }

O – Open/Closed Principle

Offen für Erweiterung, geschlossen für Änderung.

// ✅ Neue Embedding-Provider hinzufügen ohne bestehenden Code zu ändern
interface EmbeddingProvider {
  embed(text: string): Promise<number[]>;
}

class OpenAIProvider implements EmbeddingProvider { ... }
class CohereProvider implements EmbeddingProvider { ... }
// Neuer Provider → neue Klasse, kein bestehender Code geändert

D – Dependency Inversion Principle

Abhängigkeiten auf Abstraktionen, nicht auf konkrete Implementierungen.

// ❌ Direkte Abhängigkeit
class RAGService {
  private db = new PineconeClient(); // fest verdrahtet
}

// ✅ Abstraktion
class RAGService {
  constructor(private vectorStore: VectorStore) {} // austauschbar
}

SOLID ist wie die Bauvorschriften beim Hausbau: Man kann auch ohne sie bauen, aber mit ihnen steht das Haus stabiler, lässt sich leichter umbauen und hält länger.

S – Single Responsibility: Jede Klasse hat genau eine Aufgabe

O – Open/Closed: Offen für Erweiterung, geschlossen für Änderung

L – Liskov Substitution: Unterklassen müssen die Oberklasse ersetzen können

I – Interface Segregation: Kleine, spezifische Interfaces statt großer, allgemeiner

D – Dependency Inversion: Abhängigkeiten auf Abstraktionen, nicht auf Implementierungen

Plugin-Architekturen

Open/Closed Principle für erweiterbare Systeme ohne bestehenden Code zu ändern

Testbarkeit

Dependency Inversion ermöglicht einfaches Mocken von Abhängigkeiten

KI-Provider-Abstraktion

Interface Segregation für austauschbare LLM-Provider (OpenAI, Anthropic, lokale Modelle)

Microservices

Single Responsibility auf Service-Ebene: Jeder Service hat eine klare Domäne

Muss man immer alle SOLID-Prinzipien befolgen?

Nein. SOLID sind Richtlinien, keine Gesetze. In kleinen Projekten kann striktes SOLID Over-Engineering sein. Die Prinzipien werden wichtiger, je größer und langlebiger ein Projekt ist.

Gelten SOLID-Prinzipien auch für funktionale Programmierung?

Die Konzepte dahinter (Trennung von Verantwortlichkeiten, Abstraktion, Erweiterbarkeit) gelten universell – die konkrete Umsetzung sieht in FP anders aus.

Wie kann ich die SOLID-Prinzipien in meinem Code umsetzen?

Um die SOLID-Prinzipien in Ihrem Code umzusetzen, sollten Sie sicherstellen, dass jede Klasse eine einzige Verantwortung hat und dass Abhängigkeiten über Schnittstellen verwaltet werden. Regelmäßige Code-Reviews und Refactoring helfen, die Prinzipien im Auge zu behalten und die Wartbarkeit zu erhöhen.

Gibt es Tools, die mir helfen können, die SOLID-Prinzipien zu überprüfen?

Ja, es gibt verschiedene Tools und Plugins, die Ihnen helfen können, die Einhaltung der SOLID-Prinzipien zu überprüfen, wie z.B. statische Code-Analyse-Tools. Diese Tools analysieren Ihren Code auf potenzielle Verstöße gegen die Prinzipien und geben Ihnen Empfehlungen zur Verbesserung der Struktur und Wartbarkeit.

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