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Sicherheit · 20. Februar 2026

KI und Datenschutz – DSGVO-konform arbeiten

Was Unternehmen beim Einsatz von KI-Tools datenschutzrechtlich beachten müssen – konkret und praxisnah.

Über diesen Guide

Wie du KI-Tools wie ChatGPT, Claude und Copilot DSGVO-konform im Unternehmen einsetzt. Welche Daten dürfen in Prompts, was ist ein AVV und wie schützt du personenbezogene Daten.

Fortgeschritten 12 Min. Lesezeit
Verstehen warum die kostenlose ChatGPT-Version für Unternehmen problematisch ist
Den Unterschied zwischen Auftragsverarbeitung und gemeinsamer Verantwortlichkeit kennen
Wissen welche Daten nicht in KI-Prompts eingegeben werden dürfen
Praktische Maßnahmen für DSGVO-konformen KI-Einsatz umsetzen
Den Zusammenhang zwischen AI Act und DSGVO verstehen

Warum Datenschutz bei KI ein echtes Problem ist

KI-Tools wie ChatGPT sind so einfach zu nutzen, dass Mitarbeiter sie oft ohne Nachdenken für alle möglichen Aufgaben einsetzen – inklusive der Eingabe von Kundendaten, Mitarbeiterinformationen oder vertraulichen Geschäftsdaten. Das ist ein ernstes Datenschutzproblem.

Die DSGVO gilt sobald personenbezogene Daten verarbeitet werden – und das passiert schnell: Ein Name in einem Prompt, eine E-Mail-Adresse in einem Entwurf, Kundenfeedback in einer Zusammenfassung.

Das Problem mit kostenlosen KI-Tools

Die kostenlose Version von ChatGPT ist für Unternehmen mit personenbezogenen Daten praktisch nicht DSGVO-konform nutzbar:

ProblemDetails
Training auf EingabenOpenAI kann Eingaben zur Modellverbesserung nutzen (opt-out möglich, aber nicht Standard)
Datenspeicherung außerhalb der EUServer in den USA, kein ausreichender Drittlandtransfer-Schutz
Kein AVV verfügbarFür die kostenlose Version gibt es keinen Auftragsverarbeitungsvertrag
Keine DatenschutzgarantienKeine vertraglichen Zusicherungen für Unternehmen

Wichtig: Das gilt für die kostenlose Version. Enterprise-Lösungen lösen diese Probleme weitgehend.

Die Lösung: Enterprise-Verträge und AVV

OpenAI Enterprise / ChatGPT Team

  • Kein Training auf Kundendaten
  • AVV verfügbar
  • Erweiterte Sicherheitskontrollen
  • Preis: ab $25/Nutzer/Monat (Team), Enterprise auf Anfrage

Azure OpenAI Service (Microsoft)

  • Datenspeicherung in EU-Rechenzentren möglich
  • Vollständiger AVV
  • Integration in Microsoft-365-Compliance-Framework
  • Kein Training auf Kundendaten
  • Ideal für Unternehmen die bereits Microsoft nutzen

Anthropic Claude for Business / Enterprise

  • AVV verfügbar
  • Keine Nutzung für Training (Business/Enterprise)
  • Seit August 2025: Opt-out für Chatverläufe auch für neue Nutzer

Le Chat (Mistral AI) – Die europäische Option

  • Europäischer Anbieter, DSGVO-konform
  • Datenspeicherung in der EU
  • Günstigster Pro-Plan ($14,99/Monat)
  • Für datenschutzsensible Branchen besonders geeignet

Lokale Modelle – Maximale Kontrolle

Für maximale Datenschutz-Kontrolle: Open-Source-Modelle lokal betreiben.

# Ollama installieren und Llama 4 lokal starten
curl -fsSL https://ollama.ai/install.sh | sh
ollama run llama4

# Oder Mistral
ollama run mistral-large

Vorteile: Keine Daten verlassen das Unternehmen, kein Cloud-Anbieter, volle Kontrolle. Nachteile: Eigene Hardware/Server nötig, kleinere Modelle weniger leistungsfähig.

Was darf in Prompts – und was nicht?

Niemals ohne Datenschutzprüfung eingeben

  • Vollständige Namen von Kunden, Mitarbeitern oder Dritten
  • E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Adressen
  • Sozialversicherungsnummern, Steuernummern, Bankdaten
  • Gesundheitsdaten, biometrische Daten
  • Politische Meinungen, religiöse Überzeugungen
  • Vertrauliche Geschäftsdaten, Betriebsgeheimnisse

Mit Enterprise-Vertrag und AVV möglich

  • Anonymisierte oder pseudonymisierte Kundendaten
  • Allgemeine Geschäftsprozesse ohne personenbezogene Details
  • Interne Dokumente (wenn Datenschutzprüfung erfolgt ist)

Immer erlaubt

  • Allgemeine Fragen ohne Personenbezug
  • Öffentlich verfügbare Informationen
  • Eigene Texte ohne Drittdaten
  • Code ohne personenbezogene Daten

Der Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV)

Ein AVV ist Pflicht (Art. 28 DSGVO) sobald ein Dienstleister personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet. Das gilt auch für KI-Anbieter.

Was muss ein AVV regeln?

  • Gegenstand und Dauer der Verarbeitung
  • Art und Zweck der Verarbeitung
  • Kategorien der betroffenen Personen und Daten
  • Pflichten und Rechte des Verantwortlichen
  • Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)
  • Regelungen zu Subunternehmern
  • Löschung oder Rückgabe der Daten nach Vertragsende

Wo bekomme ich einen AVV?

  • OpenAI: In den Enterprise/Team-Einstellungen
  • Microsoft Azure: Im Azure-Portal unter „Datenschutz”
  • Anthropic: Über den Business/Enterprise-Plan
  • Google: Im Google Cloud / Workspace Admin-Bereich

Drittlandtransfer: Das USA-Problem

Die meisten führenden KI-Anbieter sitzen in den USA. Datentransfers in die USA sind nach DSGVO nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt:

Zulässige Grundlagen:

  • EU-US Data Privacy Framework (DPF): Seit Juli 2023 wieder gültig. OpenAI, Google und Microsoft sind zertifiziert.
  • Standardvertragsklauseln (SCC): Vertragliche Absicherung des Transfers
  • Binding Corporate Rules (BCR): Für konzerninterne Transfers

Praktisch: Wer Enterprise-Verträge mit großen Anbietern nutzt, ist durch DPF-Zertifizierung und SCCs in der Regel ausreichend abgesichert. Für sehr sensible Daten: EU-Anbieter (Mistral) oder lokale Modelle.

Technische und organisatorische Maßnahmen (TOMs)

Unternehmen müssen geeignete TOMs implementieren und dokumentieren:

Technische Maßnahmen

  • Datenmaskierung: Personenbezogene Daten vor der KI-Eingabe automatisch ersetzen
  • Zugriffskontrolle: Nur autorisierte Mitarbeiter können KI-Tools mit sensiblen Daten nutzen
  • Logging: Protokollierung welche Daten in KI-Systeme eingegeben wurden
  • Verschlüsselung: Daten in Transit und at Rest verschlüsseln
import re

def anonymize_for_llm(text: str) -> tuple[str, dict]:
    """Ersetzt personenbezogene Daten durch Platzhalter."""
    replacements = {}
    counter = {"name": 0, "email": 0, "phone": 0}

    # E-Mails ersetzen
    emails = re.findall(r'\b[A-Za-z0-9._%+-]+@[A-Za-z0-9.-]+\.[A-Z|a-z]{2,}\b', text)
    for email in set(emails):
        counter["email"] += 1
        placeholder = f"[EMAIL_{counter['email']}]"
        replacements[placeholder] = email
        text = text.replace(email, placeholder)

    # Telefonnummern ersetzen
    phones = re.findall(r'\b(\+49|0)[0-9\s\-\/]{8,}\b', text)
    for phone in set(phones):
        counter["phone"] += 1
        placeholder = f"[PHONE_{counter['phone']}]"
        replacements[placeholder] = phone
        text = text.replace(phone, placeholder)

    return text, replacements

# Verwendung
original = "Bitte analysiere die E-Mail von max.mustermann@firma.de"
anonymized, mapping = anonymize_for_llm(original)
print(anonymized)
# "Bitte analysiere die E-Mail von [EMAIL_1]"

Organisatorische Maßnahmen

  • KI-Nutzungsrichtlinie: Schriftliche Regelung was erlaubt ist und was nicht
  • Mitarbeiterschulung: Regelmäßige Schulungen zu Datenschutz bei KI-Nutzung
  • Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA): Bei Hochrisiko-Verarbeitungen Pflicht
  • Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten: KI-Nutzung dokumentieren

Besondere Kategorien: Gesundheit, HR, Finanzen

Für besondere Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO) gelten verschärfte Anforderungen:

  • Gesundheitsdaten: Arztbriefe, Krankenakten, Diagnosen → Nur mit expliziter Einwilligung oder gesetzlicher Grundlage
  • HR-Daten: Leistungsbeurteilungen, Gehaltsinfos → Betriebsrat einbeziehen, KI-Entscheidungen dokumentieren
  • Finanzdaten: Kontonummern, Kreditkarten → Nur mit PCI-DSS-konformer Infrastruktur

AI Act + DSGVO: Wenn KI für Personalentscheidungen genutzt wird (Hochrisiko nach AI Act), kommen zusätzliche Pflichten hinzu: menschliche Aufsicht, Dokumentation, Transparenz gegenüber Betroffenen.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest

Problem: „Mitarbeiter nutzen ChatGPT Free mit Kundendaten”

Ursache: Keine klare Nutzungsrichtlinie, Mitarbeiter kennen die Risiken nicht. Lösung: Schriftliche KI-Nutzungsrichtlinie erstellen und kommunizieren. Enterprise-Lösung bereitstellen damit Mitarbeiter eine datenschutzkonforme Alternative haben. Schulungen durchführen.

Problem: „Wir haben keinen AVV mit unserem KI-Anbieter”

Ursache: KI-Tool wurde ohne Datenschutzprüfung eingeführt. Lösung: Sofort prüfen ob personenbezogene Daten verarbeitet werden. Wenn ja: Enterprise-Plan mit AVV abschließen oder auf datenschutzkonformes Tool wechseln. Bis dahin: Keine personenbezogenen Daten eingeben.

Problem: „Wir wissen nicht was Mitarbeiter in KI eingeben”

Ursache: Keine Governance, keine Logging-Lösung. Lösung: KI-Nutzung über zentral verwaltete Enterprise-Accounts kanalisieren. Logging aktivieren. Regelmäßige Audits. Klare Meldepflicht bei versehentlicher Eingabe sensibler Daten.

Datenschutz-Audit für KI-Tools

Führe einen schnellen Datenschutz-Check für alle KI-Tools durch die dein Unternehmen nutzt.

  1. Liste alle KI-Tools auf die im Unternehmen genutzt werden (inkl. inoffizielle Nutzung)
  2. Prüfe für jedes Tool: Werden personenbezogene Daten eingegeben? (Namen, E-Mails, Kundendaten)
  3. Prüfe: Gibt es einen AVV mit dem Anbieter? (OpenAI Enterprise, Azure OpenAI, etc.)
  4. Prüfe: Wo werden die Daten gespeichert? EU oder Drittland?
  5. Erstelle eine Nutzungsrichtlinie: Was darf eingegeben werden, was nicht?
  6. Informiere Mitarbeiter und dokumentiere die Maßnahmen
Darf ich ChatGPT im Unternehmen nutzen?

Ja, aber mit Einschränkungen. Die kostenlose Version ist für die Verarbeitung personenbezogener Daten praktisch nicht DSGVO-konform. Mit einem Enterprise-Vertrag (OpenAI Enterprise oder Azure OpenAI) und einem AVV ist die Nutzung datenschutzrechtlich absicherbar. Grundregel: Keine Kundendaten, Mitarbeiterdaten oder andere personenbezogene Informationen in die kostenlose Version eingeben.

Was ist ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und brauche ich einen?

Ein AVV ist ein Vertrag zwischen dir (Verantwortlicher) und dem KI-Anbieter (Auftragsverarbeiter), der regelt wie personenbezogene Daten verarbeitet werden. Du brauchst einen AVV sobald du personenbezogene Daten in ein KI-System eingibst. OpenAI, Anthropic und Google bieten AVVs für ihre Business/Enterprise-Pläne an.

Ist Azure OpenAI datenschutzkonformer als ChatGPT direkt?

Ja, deutlich. Azure OpenAI bietet EU-Datenspeicherung, einen AVV, keine Nutzung der Daten für Modelltraining und DSGVO-Konformität. Für Unternehmen die Microsoft 365 nutzen, ist Azure OpenAI oft die einfachste datenschutzkonforme Lösung.

Darf ich Mitarbeiterdaten in KI-Prompts eingeben?

Nur mit entsprechender Rechtsgrundlage und wenn ein AVV mit dem KI-Anbieter besteht. Für HR-Aufgaben (Leistungsbeurteilungen, Bewerbungen) ist besondere Vorsicht geboten – hier greift auch der AI Act (Hochrisiko-KI). Im Zweifel: Daten anonymisieren oder pseudonymisieren bevor sie in KI-Systeme eingegeben werden.

  • ChatGPT Free ist für Unternehmen mit personenbezogenen Daten praktisch nicht DSGVO-konform nutzbar
  • Enterprise-Verträge (OpenAI Enterprise, Azure OpenAI) lösen die meisten Datenschutzprobleme
  • Kein Name, keine E-Mail, keine Kundendaten in Prompts ohne Datenschutzprüfung
  • Ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) ist Pflicht wenn personenbezogene Daten verarbeitet werden
  • Lokale Modelle (Llama, Mistral lokal) sind die datenschutzfreundlichste Option