Context Engineering

Den richtigen Arbeitskontext für ein Modell zusammenstellen

Die Kunst, den richtigen Kontext für LLM-Anfragen zusammenzustellen – welche Informationen, in welcher Reihenfolge, in welchem Format.

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Auf einen Blick

3 Punkte

  1. Welche Informationen gehören in den Kontext? (Relevanz)
  2. In welcher Reihenfolge? (Primacy/Recency-Effekte)
  3. In welchem Format? (Struktur, Kompression)

Sofortantwort

Context Engineering einfach erklärt

Optimale Zusammenstellung von Kontext für LLM-Anfragen.

Kurz gesagt
Welche Informationen gehören in den Kontext? (Relevanz)
Typischer Einsatz
RAG-Systeme, Coding-Assistenten, Chatbots
Wichtig zu wissen
In welchem Format? (Struktur, Kompression)

Context Engineering im Überblick

Context Engineering ist die Kunst, dem LLM genau die richtigen Informationen zu geben – nicht zu wenig, nicht zu viel, in der richtigen Reihenfolge und im richtigen Format.

Das Problem:

Zu wenig Kontext:
"Schreib eine E-Mail an den Kunden."
→ LLM weiß nicht: Welcher Kunde? Welches Thema? Welcher Ton?

Zu viel Kontext:
[Sehr viel Dokumentation]
"Beantworte die Frage."
→ Modell kann relevante Teile schlechter finden oder falsch gewichten

Optimaler Kontext:
[Relevante Auszüge] + [Kundenhistorie] + [Tonalitäts-Guidelines]
"Schreib eine E-Mail zur Reklamation."
→ Modell hat die wichtigsten Informationen kompakt verfügbar

Die drei Dimensionen:

DimensionFrageOptimierung
RelevanzWas gehört rein?Retrieval, Filterung
AnordnungIn welcher Reihenfolge?Wichtiges an Anfang/Ende
FormatWie strukturiert?XML, Markdown, Sections

Technisch betrachtet

Lost in the Middle

LLMs können Informationen aus der Mitte langer Kontexte je nach Modell und Aufgabe schlechter nutzen:

Kontext-Position:  [Anfang] ... [Mitte] ... [Ende]
Aufmerksamkeit:    ████████░░░░░░░░░░░░████████
                   Hoch     Niedrig      Hoch

Implikation:

  • Wichtigste Infos gut sichtbar platzieren
  • Instruktionen nahe an der Aufgabe halten
  • weniger kritische Infos klar strukturieren oder komprimieren

Kontext-Struktur

Unstrukturiert (schlecht):

Hier sind einige Informationen: Der Kunde hat kürzlich bestellt. 
Er ist Bestandskunde. Seine letzte Beschwerde betraf eine 
Lieferverzögerung. Es gibt eine Rückgaberichtlinie...

Strukturiert (besser):

<customer>
  <name>Kunde</name>
  <since>Bestandskunde</since>
  <last_order>letzte Bestellung</last_order>
</customer>

<complaint>
  <type>Lieferverzögerung</type>
  <date>aktuelles Ticket</date>
</complaint>

<policy>
  <returns>geltende Rückgaberichtlinie</returns>
</policy>

<task>
Schreibe eine Entschuldigungs-E-Mail an den Kunden.
</task>

Retrieval-Strategien

1. Semantic Search (Basis):

relevant_chunks = vector_db.search(query, top_k=retrieval_limit)
context = "\n".join(relevant_chunks)

2. Reranking (besser):

candidates = vector_db.search(query, top_k=candidate_limit)
reranked = reranker.rerank(query, candidates, top_k=final_context_limit)
context = "\n".join(reranked)

3. Contextual Retrieval:

# Chunks mit Kontext anreichern vor dem Embedding
for chunk in chunks:
    chunk.context = llm.generate(
        f"Beschreibe kurz, worum es in diesem Abschnitt geht "
        f"im Kontext des Gesamtdokuments: {chunk.text}"
    )
    chunk.embedding = embed(chunk.context + chunk.text)

Kontext-Kompression

Wenn Kontext zu lang:

def compress_context(documents, max_tokens):
    if count_tokens(documents) <= max_tokens:
        return documents
    
    # Option 1: Zusammenfassen
    summary = llm.summarize(documents)
    
    # Option 2: Extraktiv kürzen
    key_sentences = extract_key_sentences(documents)
    
    # Option 3: Unwichtiges entfernen
    filtered = filter_by_relevance(documents, query)
    
    return filtered

Kontext für verschiedene Use Cases

RAG:

[System Prompt]
[Retrieved Documents - nach Relevanz sortiert]
[User Query]

Coding Assistant:

[System Prompt mit Coding-Guidelines]
[Aktuelle Datei]
[Relevante importierte Dateien]
[Error Message / Task]

Chatbot:

[System Prompt]
[Zusammenfassung älterer Konversation]
[Letzte N Nachrichten]
[Aktuelle Nachricht]

Agent:

[System Prompt mit Tools]
[Aufgabenbeschreibung]
[Bisherige Schritte und Ergebnisse]
[Aktuelle Beobachtung]
[Nächste Aktion?]

Best Practices

PrinzipBeschreibung
Relevanz vor VollständigkeitLieber weniger, aber relevanter
Struktur hilftXML, Markdown, klare Sections
Instruktionen nahe an der AufgabeGut sichtbar vor oder bei der eigentlichen Anfrage
Wichtiges hervorhebenKritische Informationen klar markieren oder wiederholen
Testen und MessenA/B-Tests für Kontext-Varianten

Schritt für Schritt

Kontext als System gestalten

Context Engineering verbindet Auswahl, Reihenfolge und Format zu einem wiederholbaren Ablauf – nicht zu einem möglichst langen Prompt.

  1. Aufgabe und Erfolg definieren

    Ziel

    Zuerst wird klar, welche Entscheidung oder Ausgabe gebraucht wird und welche Quellen dafür verlässlich sind.

    Aufgabe + Qualitätskriterien
  2. Passende Informationen abrufen

    Auswahl

    Retrieval, Verlauf und Tool-Ergebnisse liefern nur die Informationen, die für die aktuelle Aufgabe wirklich relevant sind.

    Quellen → relevante Belege
  3. Kontext strukturieren

    Format

    Anweisungen, Fakten, Quellen und gewünschtes Ausgabeformat werden klar getrennt und priorisiert.

    Regeln → Kontext → Aufgabe → Format
  4. Ergebnis prüfen und nachsteuern

    Evaluation

    Antworten werden anhand von Quellen, Testfällen und Feedback bewertet; Retrieval und Prompt werden gezielt angepasst.

    Antwort → Prüfung → Verbesserung

Konkretes Beispiel

Beispiel: Antwort auf eine Vertragsfrage

Ein Assistent soll eine Frage beantworten, ohne vertrauliche oder veraltete Vertragsversionen zu verwenden.

Ungeordneter Kontext

Der gesamte Chatverlauf, viele Vertragsversionen und eine allgemeine Anweisung landen zusammen in der Anfrage.

Kuratiertes Kontextpaket

Die Anwendung nutzt die gültige Version, zeigt sie als Quelle an, trennt Regeln von Fakten und hält Platz für eine begründete Antwort frei.

Guter Kontext entsteht durch Entscheidungen vor dem Modellaufruf. Mehr Text allein verbessert die Antwort nicht.

Einordnung

Vorteile und Grenzen

Das spricht dafür

  • Macht LLM-Ausgaben nachvollziehbarer und aufgabenbezogener.
  • Reduziert irrelevante Tokens, Kosten und Ablenkung.
  • Verbindet Retrieval, Memory, Tools und Prompt zu einer klaren Architektur.
  • Lässt sich über reale Aufgaben und Fehlerbilder systematisch verbessern.

Das solltest du beachten

  • Braucht Datenmodell, Quellenpflege und kontinuierliche Evaluation.
  • Zu starke Auswahl kann wichtige Randbedingungen entfernen.
  • Die beste Reihenfolge hängt von Modell und Aufgabe ab.
  • Nicht jede Fachentscheidung lässt sich vollständig automatisieren.
Vertiefung · für Fortgeschrittene

Ein Kontextpaket für LLM-Aufgaben

Jeder Baustein hat eine eigene Aufgabe und wird möglichst klar vom nächsten getrennt.

Wissenskarte

Relevanz organisieren

Das Modell erhält nicht die gesamte Datenwelt, sondern ein begründetes Paket für genau eine Aufgabe. Context Engineering gliedert sich in: Systemregeln, Retrieval, Memory, Tools, Format, Evaluation.

01Einsatzbereiche

Wann ist Context Engineering sinnvoll?

Geeignet für

  • RAG-SystemeRelevante Dokumente auswählen und optimal anordnen
  • Coding-AssistentenWelche Dateien, Funktionen und Dokumentation gehören in den Kontext?
  • ChatbotsKonversationshistorie managen ohne Kontextfenster zu sprengen
  • LLMAufgabenkontext, Tools, Zwischenergebnisse strukturieren

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02Werkzeuge

Womit Context Engineering umgesetzt wird

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Merksatz

Context Engineering ist wie das Briefing für einen Berater

Je besser du ihm erklärst, wer du bist, was du brauchst und welche Infos relevant sind, desto besser wird sein Rat – aber zu viel Info überflutet ihn.

  1. Welche Informationen gehören in den Kontext? (Relevanz)
  2. In welcher Reihenfolge? (Primacy/Recency-Effekte)
  3. In welchem Format? (Struktur, Kompression)

04Redaktion

Herkunft und Stand

Redaktion und Aktualität

Ebenex RedaktionRedaktion

Veröffentlicht
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05FAQ

Häufige Fragen zu Context Engineering

Was ist der Unterschied zu Prompt Engineering?

Prompt Engineering fokussiert auf die Instruktion (was soll das Modell tun). Context Engineering fokussiert auf die Informationen (womit soll es arbeiten). Beides zusammen ergibt den vollen Input.

Wie viel Kontext ist zu viel?

Mehr ist nicht immer besser. Bei langen Kontexten können Modelle Informationen in ungünstigen Positionen schlechter nutzen. Relevanz, Struktur und Priorisierung sind wichtiger als reine Menge.

Wie ordne ich Kontext optimal an?

Wichtige Informationen sollten klar priorisiert und gut auffindbar sein. Anfang und Ende sind oft besonders wirksam, aber die optimale Anordnung hängt von Modell, Aufgabe und Kontextstruktur ab.

Brauche ich Context Engineering bei großen Kontextfenstern?

Ja. Große Kontextfenster bedeuten nicht, dass alles hineingehört. Kosten, Latenz, Relevanz und Auffindbarkeit bleiben zentrale Themen.

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06Weiterlernen

Was möchtest du als Nächstes verstehen?

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