Threat Modeling

Wie Teams denkbare Angriffe früh in konkrete Schutzentscheidungen für Systeme und Menschen übersetzen

Ein strukturierter Prozess zur Identifikation von Sicherheitsbedrohungen in Systemen – bevor Angreifer sie finden.

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Auf einen Blick

3 Punkte

  1. Identifiziere Assets, Angriffsvektoren, Bedrohungen
  2. STRIDE: Spoofing, Tampering, Repudiation, Info Disclosure, DoS, Elevation
  3. Früh im Entwicklungsprozess, nicht erst am Ende

Sofortantwort

Threat Modeling einfach erklärt

Systematische Identifikation von Sicherheitsbedrohungen in Systemen.

Kurz gesagt
Identifiziere Assets, Angriffsvektoren, Bedrohungen
Typischer Einsatz
Neue Systeme, API-Design, ML-Systeme
Wichtig zu wissen
Früh im Entwicklungsprozess, nicht erst am Ende

Threat Modeling im Überblick

Threat Modeling identifiziert systematisch, was schiefgehen kann – bevor es passiert.

STRIDE Framework:

BedrohungBeschreibungBeispiel
SpoofingIdentität vortäuschenGefälschte Login-Seite
TamperingDaten manipulierenSQL Injection
RepudiationAktionen abstreitenFehlende Audit Logs
Info DisclosureDaten leakenAPI gibt zu viel zurück
Denial of ServiceSystem lahmlegenDDoS-Angriff
ElevationRechte erschleichenAdmin-Zugang erlangen

Technisch betrachtet

Ablauf des Threat Modeling

1. Scope definieren
   └── Was modellieren wir?

2. Diagramm erstellen
   └── Datenflüsse, Trust Boundaries

3. Bedrohungen identifizieren
   └── STRIDE pro Komponente

4. Risiken bewerten
   └── Wahrscheinlichkeit × Impact

5. Mitigationen planen
   └── Gegenmaßnahmen definieren

Beispiel: ML-API

Bedrohungen für ML-Inference-API:

1. Spoofing: Gefälschte API-Keys
   → Mitigation: JWT mit kurzer Laufzeit

2. Tampering: Manipulierte Inputs
   → Mitigation: Input Validation

3. Info Disclosure: Model Extraction
   → Mitigation: Rate Limiting, Output-Rounding

4. DoS: Teure Inference-Requests
   → Mitigation: Request-Limits, Timeouts

Weitere Methoden neben STRIDE

STRIDE ist der bekannteste, aber nicht der einzige Ansatz:

MethodeFokusGeeignet für
STRIDETechnische BedrohungskategorienSysteme und Komponenten
PASTARisiko- und Business-orientiert, siebenstufigAngriffssimulation mit Geschäftsbezug
LINDDUNPrivacy-Bedrohungen (Linking, Identifying …)Datenschutz-Analysen
Attack TreesAngriffsziele hierarchisch zerlegenEinzelne, kritische Angriffsszenarien

Für den Einstieg reichen oft die vier Kernfragen des Threat-Modeling-Manifests: Woran arbeiten wir? Was kann schiefgehen? Was tun wir dagegen? Haben wir gute Arbeit geleistet?

Threat Modeling für LLM-Anwendungen

KI-Systeme erweitern die klassische Angriffsfläche um eigene Bedrohungsklassen. Wer eine LLM-Anwendung modelliert, sollte mindestens diese Vektoren durchspielen:

  • Prompt Injection: Manipulierte Eingaben oder Inhalte aus externen Quellen (Webseiten, Dokumente, E-Mails) überschreiben die Anweisungen des Systems – die wichtigste neue Trust Boundary verläuft zwischen vertrauenswürdigem System-Prompt und nicht vertrauenswürdigem Kontext.
  • Datenabfluss über Ausgaben: Das Modell gibt vertrauliche Inhalte aus dem Kontext preis – etwa RAG-Dokumente, auf die der Nutzer keinen Zugriff haben dürfte.
  • Exzessive Agenten-Rechte: Ein Agent mit Tool-Zugriff wird durch Injection zu unerwünschten Aktionen verleitet. Mitigation: Least Privilege, menschliche Freigabe für kritische Operationen, Sandboxing.
  • Poisoning der Wissensbasis: Manipulierte Dokumente in RAG-Speichern oder Fine-Tuning-Daten verändern das Systemverhalten.
  • Kosten-DoS: Absichtlich teure Anfragen (lange Kontexte, viele Aufrufe) treiben die Inferenzkosten – Rate Limiting und Budgets sind hier Sicherheitskontrollen.

Als Referenz für KI-spezifische Bedrohungen haben sich unter anderem die OWASP-Übersichten zu LLM-Risiken sowie MITRE ATLAS etabliert.

Typische Stolperfallen

FehlerFolgeBesser
Einmalig statt kontinuierlichModell veraltet mit jeder ArchitekturänderungBei relevanten Änderungen aktualisieren
Perfektion vor NutzenAnalyse-Lähmung, nie fertigKlein anfangen, iterieren
Nur Security-Team beteiligtFachwissen über das System fehltEntwickler und Product einbeziehen
Bedrohungen ohne OwnerFindings versandenMitigationen als Tickets mit Verantwortlichen
Trust Boundaries unklarKritische Übergänge werden übersehenDatenflussdiagramm mit expliziten Grenzen

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

  • Risk Assessment bewertet Risiken oft auf Organisationsebene – Threat Modeling arbeitet konkret am System- und Architekturdesign.
  • Penetration Testing prüft ein fertiges System empirisch auf Schwachstellen; Threat Modeling findet Designfehler, bevor sie gebaut werden. Ideal ist die Kombination: Das Threat Model liefert Testhypothesen für den Pentest.
  • Security Review ist meist eine punktuelle Prüfung von Code oder Konfiguration – Threat Modeling betrachtet das Gesamtsystem inklusive Datenflüssen und Vertrauensgrenzen.

Schritt für Schritt

Wie Threat Modeling wirksame Schutzmaßnahmen vorbereitet

  1. System und schützenswerte Werte verstehen

    Skizziere Datenflüsse, Schnittstellen, Identitäten und die Informationen oder Funktionen, die besonders geschützt werden müssen. Ein verständliches Modell schafft eine gemeinsame Grundlage für unterschiedliche Fachperspektiven.

  2. Missbrauchsszenarien sammeln

    Frage strukturiert, wie Identitäten vorgetäuscht, Daten verändert, Informationen offengelegt oder Verfügbarkeit gestört werden könnte. Reale Nutzung, externe Abhängigkeiten und menschliche Fehler gehören dazu.

  3. Risiken priorisieren und Maßnahmen wählen

    Bewerte Wahrscheinlichkeit, Auswirkung und vorhandene Schutzschichten im konkreten System. Priorisiere Maßnahmen danach, welche Schäden sie sinnvoll senken, statt jede theoretische Gefahr gleich zu behandeln.

  4. Entscheidungen im Entwicklungsprozess verankern

    Übersetze Maßnahmen in Anforderungen, Tests und Verantwortlichkeiten. Aktualisiere das Modell bei Architekturänderungen, Incidents und neuen Erkenntnissen, damit es Teil der Arbeit bleibt.

Konkretes Beispiel

Eine neue API wird vor dem Bau hinterfragt

Ein Team plant eine API, über die Kunden sensible Projektdaten abrufen und ändern können. Sicherheit soll nicht erst nach der ersten Umsetzung betrachtet werden.

Systemskizze

Das Team zeichnet Identitäten, Datenflüsse, externe Dienste und Schreibzugriffe auf. Es sammelt mögliche Fehlkonfigurationen, manipulierte Anfragen und Risiken durch zu weit gefasste Berechtigungen.

Schutzplan

Die wichtigsten Szenarien führen zu konkreten Anforderungen an Authentifizierung, Rechteprüfung, Protokollierung und Tests. Offene Risiken werden sichtbar dokumentiert und vor dem Release verantwortlich entschieden.

Einordnung

Vorteile und Grenzen

Das spricht dafür

  • Bringt Sicherheitsfragen früh in Architektur und Produktentscheidungen ein.
  • Macht Annahmen, Angriffsflächen und verbleibende Risiken für Teams gemeinsam besprechbar.
  • Hilft, Schutzmaßnahmen nach möglichem Schaden statt nach bloßer Vollständigkeit zu priorisieren.

Das solltest du beachten

  • Das Modell bleibt unvollständig, wenn wichtige Perspektiven, Datenflüsse oder Abhängigkeiten fehlen.
  • Eine einmalige Workshop-Übung verliert Wert, wenn sich das System später verändert.
  • Aufgeschriebene Bedrohungen schützen nicht ohne Umsetzung, Tests und fortlaufende Prüfung.
Vertiefung · für Fortgeschrittene

Von der Angriffsfläche zur Schutzentscheidung

Wissenskarte

Risiko vor dem Bau

Security
Schutz von Systemen, Daten und Anwendungen vor Angriffen und Ausfall.
IAM
Verwaltung von Identitäten und Zugriffsrechten in IT-Systemen.
API
Schnittstelle zur Kommunikation zwischen Softwaresystemen.
Audit Logging
Protokollierung sicherheitsrelevanter Ereignisse für Compliance und Forensik.
CI/CD
Automatisierte Prozesse für kontinuierliche Software-Entwicklung.
Threat Modeling verbindet Systemverständnis, Missbrauchsszenarien, priorisierte Maßnahmen und wiederkehrende Überprüfung zu einem frühen Sicherheitsprozess. Threat Modeling gliedert sich in: Security, IAM, API, Audit Logging, CI/CD.

01Einsatzbereiche

Wann ist Threat Modeling sinnvoll?

Geeignet für

  • Neue SystemeSicherheit von Anfang an einbauen
  • API-DesignAngriffsflächen minimieren
  • ML-SystemeModel Poisoning, Data Leakage identifizieren

↑ Inhalt

Merksatz

Threat Modeling ist wie ein Einbrecher-Test für dein Haus

Du denkst wie ein Einbrecher, findest Schwachstellen und sicherst sie – bevor ein echter Einbrecher kommt.

  1. Identifiziere Assets, Angriffsvektoren, Bedrohungen
  2. STRIDE: Spoofing, Tampering, Repudiation, Info Disclosure, DoS, Elevation
  3. Früh im Entwicklungsprozess, nicht erst am Ende

03Anwenden

Threat Modeling praktisch anwenden

↑ Inhalt

04Redaktion

Herkunft und Stand

Redaktion und Aktualität

Ebenex RedaktionRedaktion

Veröffentlicht
Aktualisiert

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Quellen (2)

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05FAQ

Häufige Fragen zu Threat Modeling

Wann sollte Threat Modeling stattfinden?

Früh! Am besten in der Design-Phase. Änderungen sind dann noch günstig. Aber auch nachträglich für bestehende Systeme sinnvoll.

Wer sollte teilnehmen?

Entwickler, Security-Experten, Architekten, Product Owner. Verschiedene Perspektiven finden mehr Bedrohungen.

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06Weiterlernen

Was möchtest du als Nächstes verstehen?

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