Data Warehouse Data Lake

Verlässliche Kennzahlen oder günstiger Rohdatenspeicher?

Für Business Intelligence, Reporting und verlässliche Kennzahlen führt kein Weg am Data Warehouse vorbei. Wer Rohdaten aller Formate günstig sammeln und für Machine Learning nutzen will, braucht einen Data Lake. Die meisten datengetriebenen Unternehmen betreiben beides – oder setzen auf ein Lakehouse, das beide Ansätze zusammenführt.

8 KriterienFortgeschritten3 Min Lesezeit

Die beiden Seiten

01Kriterien

Wo sich die beiden unterscheiden

8 Kriterien im direkten Vergleich. Auf schmalen Bildschirmen wird die Tabelle zu Karten.
KriteriumData WarehouseData Lake
DatenformatStrukturiert (Tabellen)Alle Formate (roh, semi-, unstrukturiert)
SchemaSchema-on-Write (vor dem Laden)Schema-on-Read (bei der Abfrage)
Typische NutzerBI-Analysten, ControllingData Scientists, ML-Engineers
Abfrage-PerformanceOptimiert für SQL-AnalysenAbhängig von Format und Engine
Kosten pro TerabyteHöher (Compute + optimierter Speicher)Günstiger Objektspeicher
DatenqualitätKuratiert und geprüftGefahr des Data Swamp
ML-TrainingNur aufbereitete FeaturesRohdaten inkl. Text, Bilder, Logs
GovernanceEtabliert (Zugriff, Lineage)Muss aktiv aufgebaut werden
  • Datenformat

    Data Warehouse

    Strukturiert (Tabellen)

    Data Lake

    Alle Formate (roh, semi-, unstrukturiert)

  • Schema

    Data Warehouse

    Schema-on-Write (vor dem Laden)

    Data Lake

    Schema-on-Read (bei der Abfrage)

  • Typische Nutzer

    Data Warehouse

    BI-Analysten, Controlling

    Data Lake

    Data Scientists, ML-Engineers

  • Abfrage-Performance

    Data Warehouse

    Optimiert für SQL-Analysen

    Data Lake

    Abhängig von Format und Engine

  • Kosten pro Terabyte

    Data Warehouse

    Höher (Compute + optimierter Speicher)

    Data Lake

    Günstiger Objektspeicher

  • Datenqualität

    Data Warehouse

    Kuratiert und geprüft

    Data Lake

    Gefahr des Data Swamp

  • ML-Training

    Data Warehouse

    Nur aufbereitete Features

    Data Lake

    Rohdaten inkl. Text, Bilder, Logs

  • Governance

    Data Warehouse

    Etabliert (Zugriff, Lineage)

    Data Lake

    Muss aktiv aufgebaut werden

02Gemeinsamkeiten

Wo beide dasselbe leisten

  • Beide speichern große Datenmengen für Analysen – der Unterschied liegt im Zeitpunkt, zu dem Struktur entsteht.
  • Beide brauchen Governance: Ohne Zugriffsrechte und Nachvollziehbarkeit wird aus dem einen ein Flaschenhals und aus dem anderen ein Sumpf.
  • Viele Unternehmen betreiben beides nebeneinander – oder ein Lakehouse, das die Ansätze zusammenführt.

Zwei Speicherphilosophien

Beide speichern große Datenmengen für Analysen – aber mit gegensätzlicher Grundhaltung. Das Data Warehouse fragt: Welche Fragen wollen wir beantworten? und strukturiert die Daten vorab entsprechend. Der Data Lake fragt: Welche Daten haben wir? und speichert erst einmal alles im Rohformat – die Fragen kommen später. Diese Differenz zieht sich durch alles: Kosten, Nutzer, Werkzeuge und Datenqualität.

Data Warehouse: Die kuratierte Wahrheit

Ein Data Warehouse ist die zentrale, aufbereitete Datenbasis fürs Unternehmen. Daten aus operativen Systemen (ERP, CRM, Shop) werden per ETL/ELT-Prozess bereinigt, vereinheitlicht und in ein festes Schema geladen – Schema-on-Write: Die Struktur steht fest, bevor die Daten hineinkommen.

Die Stärken:

  • Verlässliche Kennzahlen: Eine Zahl, eine Wahrheit – Umsatz bedeutet überall dasselbe
  • SQL-Performance: Spaltenorientierte Speicherung und Optimierung für analytische Abfragen
  • BI-Integration: Reporting-Tools docken direkt an
  • Governance: Zugriffsrechte, Historisierung und Nachvollziehbarkeit sind eingebaut oder etabliert

Die Schwächen: Das feste Schema macht träge – neue Datenquellen erfordern Modellierungsarbeit, bevor sie nutzbar sind. Unstrukturierte Daten (Texte, Bilder, Logs) passen konzeptionell nicht hinein. Und pro Terabyte ist ein Warehouse deutlich teurer als einfacher Objektspeicher, weil Speicher und Rechenleistung auf schnelle Abfragen optimiert sind.

Data Lake: Das Rohdaten-Reservoir

Ein Data Lake ist im Kern günstiger Objektspeicher (etwa S3-kompatible Systeme), in den Daten im Originalformat fließen: CSV-Exporte, JSON-Events, Parquet-Dateien, Bilder, Audiodateien, Server-Logs. Die Interpretation passiert erst bei der Nutzung – Schema-on-Read: Wer die Daten liest, legt fest, wie sie strukturiert werden.

Die Stärken:

  • Alle Formate: Strukturiert, semi-strukturiert, unstrukturiert – alles hat Platz
  • Günstig: Objektspeicher kostet einen Bruchteil von Warehouse-Speicher
  • Zukunftsoffen: Daten werden gesammelt, bevor klar ist, wofür sie gebraucht werden
  • ML-tauglich: Data Scientists greifen direkt auf Rohdaten zu – ideal für Feature Engineering und Modelltraining

Die Schwächen: Freiheit ohne Disziplin endet im Data Swamp – einem Sumpf aus undokumentierten, veralteten, unauffindbaren Dateien. Ohne Datenkatalog, Qualitätsregeln und klare Zuständigkeiten verliert der Lake schnell seinen Wert. Auch Abfrage-Performance und Zugriffskontrolle sind nicht automatisch da, sondern müssen über zusätzliche Engines und Governance-Schichten nachgerüstet werden.

In der Praxis strukturieren Teams ihren Lake deshalb in Zonen: eine Raw-Zone für unveränderte Originaldaten, eine bereinigte Zone für validierte und vereinheitlichte Daten und eine kuratierte Zone für konsumfertige Datensätze. Dieses Schichtenmodell – oft Medallion-Architektur genannt – bringt Ordnung, ohne die Flexibilität des Lakes aufzugeben.

Die KI-Perspektive

Für Machine Learning ist der Data Lake die natürliche Heimat. Trainingsdaten sind fast immer Rohdaten: Texte für Sprachmodelle, Bilder für Computer Vision, Clickstreams für Empfehlungssysteme. Ein Warehouse kennt solche Daten nicht – es speichert aggregierte, tabellarische Sichten. Auch moderne KI-Anwendungsmuster wie RAG (Retrieval-Augmented Generation) schöpfen aus Dokumentenbeständen, die typischerweise im Lake liegen, bevor sie in Vektordatenbanken indexiert werden.

Das Warehouse spielt im KI-Kontext eine andere Rolle: Es liefert die kuratierten, verlässlichen Features – Kundenumsätze, Bestellhistorien, Stammdaten – und ist der Ort, an dem Modell-Ergebnisse (Scores, Prognosen) fürs Business-Reporting landen. Ein typischer Kreislauf sieht so aus: Rohdaten landen im Lake, werden dort für das Modelltraining aufbereitet, und die Vorhersagen fließen zurück ins Warehouse, wo Fachbereiche sie neben den klassischen Kennzahlen auswerten.

Wann was?

Nimm ein Data Warehouse, wenn:

  • BI und Reporting im Vordergrund stehen
  • Du konsistente, geprüfte Kennzahlen für Management und Fachbereiche brauchst
  • Deine Daten überwiegend strukturiert sind
  • Viele Nutzer per SQL und BI-Tools zugreifen

Nimm einen Data Lake, wenn:

  • Du Rohdaten aller Formate sammeln willst
  • Machine Learning und Data Science zentrale Anwendungsfälle sind
  • Speicherkosten bei großen Volumina entscheidend sind
  • Die künftige Nutzung der Daten noch offen ist

Die Entscheidung ist selten exklusiv: Wer beides braucht, lässt Rohdaten in den Lake fließen und lädt kuratierte Ausschnitte ins Warehouse – der Lake als Quelle, das Warehouse als veredelte Sicht für das Business.

Konvergenz: Das Lakehouse

Die Trennung weicht auf. Lakehouse-Architekturen legen Warehouse-Fähigkeiten – ACID-Transaktionen, Schema-Verwaltung, schnelle SQL-Abfragen – direkt auf den günstigen Objektspeicher des Lakes. Möglich machen das offene Tabellenformate wie Delta Lake, Apache Iceberg und Apache Hudi. Der Effekt: BI-Analysten und ML-Teams arbeiten auf denselben Daten, ohne Kopien zwischen zwei Systemen zu synchronisieren. Für viele Neueinsteiger ist das Lakehouse heute der Default; wer bereits ein etabliertes Warehouse betreibt, ergänzt es meist pragmatisch um einen Lake für Rohdaten und ML – die Architektur folgt dem Bedarf, nicht umgekehrt.

03Entscheidungshilfe

Was passt zu welchem Vorhaben?

Keine Gesamtnote – die Empfehlung hängt am Anwendungsfall.
  • Business Intelligence und Reporting

    Data Warehouse

    Ein Warehouse liefert geprüfte Strukturen und schnelle Abfragen auf Kennzahlen.

  • Rohdaten aller Formate sammeln

    Data Lake

    Ein Lake nimmt alles auf, ohne vorher ein Schema zu verlangen, und kostet pro Terabyte weniger.

  • Machine Learning auf Rohdaten

    Data Lake

    Trainingsdaten brauchen Rohformate, nicht aggregierte Kennzahlen.

  • Datengetriebenes Unternehmen

    Beide

    Die meisten betreiben beides oder ein Lakehouse, das die Ansätze zusammenführt.

04Begriffe

Die Begriffe hinter dem Vergleich

Daten29.08.

Data Warehouse

Ein System zur schnellen Analyse strukturierter Daten aus verschiedenen Quellen.

3 MinFortgeschritten

Daten29.08.

Data Lake

Ein Speicher für große Mengen an Rohdaten in ihrem Originalformat.

2 MinFortgeschritten

05FAQ

Häufige Fragen

Ersetzt ein Data Lake das Data Warehouse?

Nein. Ein Data Lake ist billiger Speicher für Rohdaten, aber ohne Kuratierung liefert er keine verlässlichen Kennzahlen. Fürs Reporting braucht es geprüfte, konsistente Daten – genau das leistet ein Warehouse. In der Praxis ergänzen sich beide: Der Lake sammelt, das Warehouse veredelt.

Was ist ein Data Swamp?

Ein Data Lake, der zur Müllhalde geworden ist: Daten ohne Dokumentation, ohne Eigentümer, ohne Qualitätskontrolle. Niemand weiß mehr, was welche Datei bedeutet oder ob sie aktuell ist. Dagegen helfen Datenkataloge, klare Zonen (Raw/Cleaned/Curated) und definierte Verantwortlichkeiten.

Was ist ein Lakehouse?

Eine Architektur, die günstigen Objektspeicher (wie beim Data Lake) mit Warehouse-Funktionen kombiniert: Transaktionen, Schema-Verwaltung und schnelle SQL-Abfragen direkt auf offenen Tabellenformaten wie Delta Lake, Apache Iceberg oder Apache Hudi. So können BI und Machine Learning auf denselben Daten arbeiten, ohne sie zu kopieren.

Warum sind Data Lakes für KI-Projekte so wichtig?

Machine-Learning-Modelle – besonders im Deep Learning – trainieren auf Rohdaten: Texte, Bilder, Audio, Clickstreams, Sensordaten. Ein Warehouse speichert solche unstrukturierten Daten gar nicht erst. Der Data Lake ist deshalb die natürliche Quelle für Trainingsdaten, Feature Engineering und RAG-Wissensbasen.

06Redaktion

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